Virtua Fighter 5 Final Showdown
Virtua Fighter 5 Final Showdown

Plattform: Xbox360, PS3
Japan (2012), Producer: Noriyuki Shimoda, Director: Tohru Muayama

Mein Herz rast. Meine Hände umklammern schwitzend den Controller. Da steht er. Der Catcher. Ich habe diese Sportart schon immer belächelt; halbnackte Männer, die sich in engen Latex-Höschen choreographierten Schaukämpfen hingeben. Doch trotz meines Shaolin Kung Fu-Stils hat er meinen Lebensbalken durch seine fiesen Rempler und seine verdammten Griffe extrem minimiert. Dritte Runde. Dieser andere Spieler (oder Spielerin?) sitzt nun wahrscheinlich genauso angespannt vor der Konsole. Wir belauern uns. Soll ich einen eingesprungenen Drehkick wagen? Oder doch auf einen Konter setzen? Der andere nimmt mir die Entscheidung ab und stürzt mit seinem Wolf Hawkfield brüllend auf mich zu. Mein zusammengekniffener Mund verzieht sich zu einem Lächeln. Darauf habe ich nur gewartet…

Nach fünfjähriger Abstinenz wagen sich Segas Kampfsportler wieder in den virtuellen Ring. Nach der grandiosen Automaten-Umsetzung Virtua Fighter 5, die vor allem auf der XBox 360 danke Online-Modus überzeugen konnte, liefert der japanische Traditionshersteller nun ein Update. Final Showdown umfasst überarbeitete Moves, Schauplätze und bietet zwei neue Charaktere. Fans der Serie kennen den Sumo Taka-Arashi noch aus Virtua Fighter 3. Er feiert neben Jean Kujo, einem androgynen Karateka sein Comeback und fügt sich nahtlos in die Riege der anderen Kampfsport-Experten ein.

Doch was macht diesen Prügler eigentlich so besonders? Immerhin gibt es keine Feuerbälle, keine aufwendigen Energie-Attacken und erst recht keine Hieb-und Stichwaffen. Auch werden keine Herzen und Wirbelsäulen ausgerissen. Und trotzdem gilt Virtua Fighter für viele Fans des Genres als DAS Prügelspiel; der König des Genres. Die Formel dahinter ist ebenso simpel wie genial: Sega konzentriert sich auf die Darstellung; ja auf die Simulation von diversen realen Kampfkünsten und konzentriert sich voll und ganz auf ein Turnier, bei dem Vertreter der jeweiligen Sportarten oder Kampfkünste gegeneinander antreten. Das reizvolle ist dabei das ausgeklügelte Spielsystem.

Während Ihr bei Soul Calibur oder Tekken vielleicht noch ein paar Siege durch Button-Gehämmere einfahren könnt, führt diese Taktik bei Virtua Fighter vor allem gegen geübte Gegner zum unweigerlichen Knock- oder Ringout. Trefft ihr auf einen anderen Spieler, der wie Ihr seinen Charakter beherrscht, dann könnt Ihr sicher sein, Szenen zu sehen, die jedem Martial Arts-Film gut zu Gesicht stehen würden. Da werden Sprungkicks mitten in der Luft geblockt, Würfe umgeleitet und Drunken-Master-Moves zelebriert, dass es eine wahre Freude ist!

Mehr gibt es an dieser Stelle eigentlich nicht mehr zu schreiben. Das Spiel sah nie besser aus. Alle Figuren und Schauplätze sind eine Augenweide. Der Online-Modus läuft bei meinen Sessions bisher absolut lagfrei und bietet dank Fight-Room attraktive Möglichkeiten für gesellige Konsolen-Kampfsportler. Neben dem Arcade und dem Multiplayer-Modus gibt es noch das motivierende Lizenz-Training und ein Dojo, in dem Ihr Eure Techniken studieren könnt.

Virtua Fighter 5 Final Showdown ist eine Perle der Beat´em up-Zunft und sollte auf keiner Festplatte fehlen. Ihr bekommt für wenig Geld eines der besten (für manchen DAS beste) Bemu und nebenbei eine perfekte Arcade-Umsetzung. Einziger Kritikpunkt ist der kostenpflichtige Zusatzinhalt, wenn Ihr Eure Fighter individualisieren möchtet. Ja, ich gebe es zu, das ist nicht nett, Sega. Aber ich kann und will hier nicht darauf herumreiten; Capcom-Bemu-Fans sind solche Spielchen ja sowieso vertraut und hey- es ist Virtua Fighter! Hier spielt es wahrlich keine Rolle, ob Ihr „nur“ einen technisch aufregenden Arcade-Prügler oder eine ebenso komplexe wie motivierende Kampfkunst-Simulation wollt; dieses Spiel ist sein Geld mehr als wert und wird Euch mit Sicherheit lange vor die Konsole fesseln. Ach ja, Wolf Hawkfield ist übrigens gnadenlos in meine Souyokugeki-Technik reingerannt!

Bilder, Video Copyright SEGA


Mark Wamsler


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