
Plattform: XBLA, PSN
Japan (1993/2011)
2011 war tatsächlich das Jahr des Igels: Der blaue Blitz feierte nicht nur mit Sonic Generations eine fast durchweg gelungene Rückkehr in HD-Spielspaß-Oberliga, mit Sonic CD erscheint nun auch noch eines seiner beste Hüpf-Abenteuer in 2D auf Xbox Live Arcade und im PlaySstation Network. Im Gegensatz zu den in den USA entwickelten Episoden Sonic 2 und Sonic 3 entstand Sonic CD wieder komplett in Japan und orientiert sich weit näher am Erstling. Sonics Kumpel Tails sitzt das Abenteuer fast komplett aus, dafür wurde der Spin-Dash aus den späteren Episoden übernommen.
Auf den ersten Blick ist alles beim Alten. Sonic wetzt durch knallbunte 2D-Levels, lässt sich gerne mal wie eine Flipperkugel quer durch die Pampas schießen und erledigt am Ende jeder dritten Stage den rundlichen Dr. Robotnik. Doch der erste Eindruck täuscht, bei Sonic CD ist der Forscher-Faktor weit stärker als bei den anderen Episoden. Ihr findet zahlreiche Schilder mit der Aufschrift “Future” oder “Past”. Rennt an einem vorbei, haltet lang genug Höchstgeschwindigkeit, und Sonic geht auf Zeitreise.
Dabei präsentiert sich die Vergangenheit meist als eher archaische Version des gerade bereisten Levels, die Zukunft als schmutzige Techno-Hölle mit stampfenden Beats. Der Clou: Schafft ihr es, in der Vergangenheit, eine Robotnik-Maschine zu zerstören, dann ändert ihr die Zukunft: Aus der mechanischen Dystopie wird ein Utopia in dem Technik und Natur harmonisch miteinander existieren.
Das ist nicht nur clever, sondern erweitert auch den Umfang des Spiels kolossal: Jede Stage hat vier verschiedene Grafiksets und vier verschiedene Musikstücke – bei denen habt ihr übrigens die Wahl zwischen den fröhlichen Pop-Sounds der Japan- und EU-Fassung und den eher relaxten Kompositionen die Spencer Nielsen für die US-Version neu komponierte.
Spielerisch wird hier fordernde Jump’n’Run-Kost geboten, wer denkt, er müsse nur nach rechts drücken um die Levels abzuschließen, der irrt gewaltig. Tückisch platzierte Gegner und jede Menge Bumper sorgen für Herausforderung und nur wer in allen Welten eine gute Zukunft erschafft und in den technisch damals ziemlich beeindruckenden Bonus-Stages alle Zeitsteine findet, der sieht das beste Ende des Spiels. Das setzt gute Kenntnis der zahlreichen Levels und auch eine Menge Sprunggeschick voraus.
Sonic CD ist eines der schönsten Sonic-Abenteuer auch und bietet ein paar der besten Musiktücke der Reihe – logisch, wollte Sega hier doch eindrucksvoll die Möglichkeiten des Mega CD ausnutzen. Die Levels strotzen nur so vor verschwenderischen Details die auf dem begrenzten Modulspeicher jener Tage kaum Platz gefunden hätten. Die Umsetzung auf die HD-Konsolen ist dabei gut gelungen – weit besser als Segas bisherige 16Bit-Konvertierungen. Der Kenner schaltet dabei natürlich sämtliche Filter aus und genießt Sonic CD in seiner klassischen Pixel-Pracht. Schön, dass es nun endlich so etwas wie die definitive Version dieses Klassikers gibt. Ein Muss für Sonic-Fans.
Bilder, Video Copyright SEGA
Thomas Nickel








