
Plattform: Xbox360
USA (2012), Senior Producer: Mike Mc Cartney, Game Designer: Rohm Laxton, Art Director: Malcolm Andrieshyn, Audio Director: Josh Osiris
Ja, ich gebe zu, ich kann mit dem Großteil der Kinect-Spiele einfach nichts anfangen. Obwohl Ankündigungen wie ein neues Panzer Dr…ääähm Crimson Dragons mein altes Sega-Herz höher schlagen lassen, verfliegt diese Vorfreude dank der zwanghaften Kinect-i-sierung vieler Titel dann auch gleich wieder. Möglicherweise ist meine dezente Abneigung gegen Fuchtelspiele auch der Grund, warum mir das erste Joyride dezent am Allerwertesten vorbeigegangen ist. Trailer, in denen Menschen blöd grinsend an einem Luftlenkrad kurbelten, ließen mich gleich mal verächtlich durch die Nase schnauben. Anscheinend bin ich dann doch nicht der einzige, der zu seinem Funracer noch was Haptisches braucht und so driftet nun der Nachfolger JoyRide Turbo in unsere heilige BNG-Werkstatt.
Bevor Ihr nun mal wieder lesen wollt, dass ein weiterer Funracer am ewigen Primus Mario Kart scheitert, lasst Euch an dieser Stelle gesagt sein, dass wir es hier mit einem wirklich guten Herausforderer zu tun haben. Mal ganz davon abgesehen, dass man den überflüssigen Kinect-Ballast abgeworfen hat, tut sich hier ein Spiel auf, dass ebenso durch sein Gameplay wie durch seine technische Verpackung durchaus als DAS Microsoft-Mario Kart bezeichnet werden kann.
Sicher, ewige Nintendo-Fanboys (wenn sie den Artikel hier überhaupt lesen) zucken teilnahmslos mit den Achsel und spielen den gefühlt 100sten Teil „ihres“ Lieblingsrasers. Auch ich schraubte meine Erwartungen beim Antesten von JoyRide Turbo erst mal herunter; spiele ich doch gern und regelmäßig trotz Abnutzungserscheinungen und fehlenden Innovationen samt Update-Charakter jede Mario Kart-Episode. Umso überraschender die Tatsache, dass der MS Funracer ein ebenso spielbarer wie knuffiger Genre-Vertreter geworden ist.
Was sofort ins Auge sticht, ist die unglaublich verspielte wie farbenfrohe Optik. Der eigene XBLA-Avatar zirkelt in knuffigen Sportwagen, Musclecars und Truck-Karikaturen über wunderschöne Cartoon-Strecken. Das Renngeschehen erinnert angenehm an Samstagmorgen-Cartoons und transportiert eine gewisse Leichtigkeit. Während ich viele Mario Kart-Klone nach ein paar Runden schulterzuckend wieder aus dem Laufwerk nehme, spielte ich nach dem Saugen von Joyride gleich mal 2 Meisterschaften durch und durchforstete den Stuntpark stundenlang nach Items für meinen Flitzer. Ein gutes Zeichen also.
Klar, vom Blitzstart über die Stunts in der Luft bis hin zu den Items ist alles schamlos abgekupfert. Doch leset und wisset, meine kritischen BNG-Freunde, dass wir es auf der Microsoft-Konsole mit guten Funracern ebenso selten zu tun haben, wie eine Germanys Next Topf Model-Folge ohne manische Flennattacken. Apropos Flennen: Selbstverständlich darf auch ein Multiplayer-Modus nicht fehlen und solltet Ihr noch zu der Sorte Gamer gehören, die sich auch noch trauen Menschen VOR dem Screen zu beleidigen, dann freut Euch wie ich über den Splitscreen-Modus!
Fassen wir also zusammen: Kinect ist raus; der Raser spielt sich angenehm flüssig und bietet eine augenschmeichelnde Optik und angenehm verträgliche Musikstücke. Dazu kommt die Tatsache, dass Ihr mit Eurem Avatar im möglichen Modern Warfare oder Geralt von Riva-Outfit in modifizierbaren Vehikel über die Kurse brettern dürft und es einfach saukomisch ausschaut, wenn Ihr die durchgeknallten Avatare Eurer Konkurrenten von der Piste ballert.
JoyRide Turbo macht Spaß, kostet nicht viel und sollte mangels Alternativen sofern Affinität zum Genre besteht augenblicklich gesaugt werden. Für mich hat nun die Xbox „ihr“ HD- Mario Kart und ich freue mich für die Entwickler, sich mit Bravour dieser Herausforderung gestellt zu haben. Wir sehen uns auf der Piste!
Bilder, Video Copyright Big Park
Mark Wamsler








