Fez
Fez

Plattform: XBLA
USA (2012), Creator of Fez: Phil Fish, Programmer: Renaud Bedard, Musik: Rich Vreeland

Was lange währt wird endlich gut: Fast 5 Jahre ist es nun her, dass wir zum ersten Mal vom Projekt Fez gehört haben, und bereits damals war der Videospielwelt klar, dass hier etwas ganz großes in Arbeit war. Immer wieder wurde etwas Demo-Gameplay auf der einen oder anderen Messe gezeigt und weit vor Veröffentlichung sogar mehrere Preise für das vielversprechende Pixel-Abenteuer vergeben; leider wurde aber auch der ersehnte Release immer weiter nach hinten geschoben. Selbst hartnäckige Fans begannen immer mehr zu zweifeln, ob sie jemals einen Schritt in der wundersamen Welt von Hauptfigur Gomez gehen würden, doch nun hat die Warterei ein Ende – aber hat sie sich gelohnt?

Fangen wir einmal ganz von vorne an: Worum geht es eigentlich? Kurz: Gomez, seines Zeichens Träger der titelgebenden arabischen Kopfbedeckung, bekommt von einem quadratischen Zeitgenossen namens Dot die Aufgabe, über die Welt verteilte Würfel zu finden, die Mario-64-typisch wiederum Zugang zu weiteren Arealen mit noch mehr Würfeln erlauben. Sammelt ihr die ersten Würfel noch im Vorbeigehen ein, wird das Ausknobeln des richtigen Weges zu den begehrten Objekten schnell zum allgemeinen Thema. Euer Hauptmittel zum Lösen dieses Problems ist die zentrale Spielmechanik: Die zunächst zweidimensional anmutende Umgebung ist in Wirklichkeit dreidimensional, der tatsächlich begehbare Bereich entspricht jedoch stets eurer aktuellen Perspektive.

Wer jetzt spontan an Intelligent Systems Super Paper Mario denkt, liegt nicht verkehrt – die Mechanik verhält sich ähnlich, treibt die Dimensionsspielerei aber noch einen gehörigen Schritt weiter. Statt nur zwischen zwei Ansichten zu wechseln dreht ihr mittels Schultertasten die Kamera jeweils um 90 Grad und könnt euch so einmal komplett um die Spielwelt herumbewegen. Einmal in die richtige Perspektive gerückt können Plattformen, die eben noch meilenweit entfernt waren, mit Leichtigkeit erklommen werden. Dieses System lässt allerhand Raum für die wildesten Perpektivspielereien und sorgt in der Tat für ordentlich Hirnverdrehung, ohne jedoch zu schwer anzumuten. Im Gegenteil: Viele Lösungen eröffnen sich euch vor allem zu Beginn sehr schnell, zumal sich die Kameradrehungen hervorragend in den Spielfluss integrieren und die Wechselei sehr intuitiv von Statten geht. Die Levels sind entsprechend clever designed und führen euch flotten Schrittes ins Feature ein – ein willkommenes Plus. Erst spät nehmen die Rätsel ein recht forderndes Niveau an; sämtliche Würfel zu finden bedarf beträchtlicher Mühe.

Neben dem spaßigen Spielprinzip punktet Fez vor allem durch seine superbe Präsentation. Die grobpixelige Grafik versprüht tollsten Retro-Charme und sieht fantastisch aus. Zwar hat sich Entwickler Polytron Corporation in puncto audiovisueller Gestaltung mehr als deutlich beim Indie-Kracher Cave Story bedient, letztendlich bekommt dies aber dem eigenen Spiel mehr als gut. Wenn doch nur alle Indie Games dermaßen liebevoll aufgemacht wären! Gomez‘ Pixelheimat erscheint nicht nur in toller Farbpracht, sondern ist auch noch durch und durch belebt. Hier ein Frosch, da ein Vogel oder Gomez‘ amüsante Artgenossen – selten hat sich eine 2D-Umgebung so belebt angefühlt. Auch die zahlreichen Animationen verzücken mit Detailreichtum und Knuddelfaktor, selbst die Todesanimation des kleinen Hutträgers nach einem Sturz in die Tiefe ist herzallerliebst. Stichpunkt Tod: Gegner bekämpft ihr übrigens keine, in Fez geht es rein ums Rätseln. Musikalisch lässt Fez ebenfalls ordentlich Cave-Story-Einfluss verspüren, gibt sich allerdings weitaus sphärischer und nicht ganz so stark wie Daisuke Amayas Action-Adventure.

Aufgrund der genannten Aspekte ist Fez schon jetzt ein heißer Anwärter auf das beste Indie-Game des noch jungen Jahres, die Top-Wertung bleibt ihm aber aufgrund einiger Macken versagt. So staunt ihr beispielsweise nicht schlecht, wenn bereits nach kurzer Spielzeit die Framerate deutlich in die Knie geht. Nach 5 Jahren Entwicklungszeit sollte man sowas eigentlich von einem reinen Konsolentitel nicht mehr erwarten müssen. Doch damit nicht genug: Die schiere Fülle an Bugs macht dem amtierenden Bug-Meister Skyrim ordentlich Konkurrenz und schmälert den Spielspaß merklich, wenn ihr z.B. zum zehnten Mal neustarten müsst, weil sich der Ladebildschirm mal wieder aufgehängt hat. Wir hoffen auf einen baldigen Patch, dennoch sollte so etwas nicht passieren. Aufgrund der zusammenhängenden Spielwelt macht sich zudem ein von Metroid und Konsorten bekanntes Problem breit – ihr seid quasi zu häufigem Backtracking gezwungen und müsst einige Rätsel dabei erneut absolvieren, was in Kombination mit den zahlreichen fatalen Fehlern („Wohin ist bitte dieser Spielbereich verschwunden?“) schnell an euren Nerven zerrt.

Allen Problemen zum Trotze möchten wir euch Fez hiermit dennoch wärmstens ans Herz legen. Wenn Polytron die negativen Aspekte ausmerzen sollte, steht euch ein hochqualitativer Spielgenuss ins Haus. Wenn die Herren der ebenso lang erwateten Top-Anwärter Dust – An Elysian Tail und Owlboy doch nun auch endlich mit ihren Spielen fertig würden!

Bilder, Video Copyright Polytron Corporation


Sebastian Sonntag


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