Crazy Taxi
Crazy Taxi

Plattform: XBox Live Arcade, PlayStation 3
Japan (1999 / 2010), Producer: Osamu Shibamiya, Design: Takashi Nishimura, Graphic Design Supervisor: Mitsuhiko Kakita, Chief Programmer: Masaaki Ito

Segas durchgedrehte Taxi-Action dürfte vor allem vielen Dreamcast-Besitzern noch gut in Erinnerung sein, da sich die im Jahr 2000 erschienene Umsetzung des Naomi-Automaten vor allem auf Segas letzter Konsole gut verkaufen konnte. Konvertierungen für Playstation 2, Gamecube und PC sollten ebenso folgen wie zwei weitere Teile.

Jetzt erscheint das Spiel erneut, dieses Mal als Download auf Playstation 3 und Xbox 360 und die beiden Fragen lauten mal wieder: Was gibt’s neues und taugt das Spiel heute noch?

Aber worum geht’s überhaupt? Unter Zeitdruck gabelt man mit seinem Taxi Fahrgäste auf und bringt sie möglichst schnell zu ihrem Zielort. Schnelligkeit lohnt sich hier gleich doppelt: Man verbraucht nicht nur weniger Zeit seines Countdowns, sondern bekommt für einen schnell erfolgten Transport auch noch Bonus-Sekunden spendiert. Durch die Fahrten verdient man Geld, von dem man sich aber nichts kaufen kann. Es dient lediglich als Punktestand für die Highscore-Tabelle. Wie in der Realität bekommt man mehr Geld, je weiter das Ziel entfernt ist. Das ist aber auch so ziemlich alles, was an dem Spiel etwas mit Realismus zu tun hat – der Rest ist in der Tat sehr crazy!

So zahlen einem die Gäste zum Beispiel weiteres Trinkgeld, wenn man spektakulär fährt, also zum Beispiel driftet oder knapp an anderen Autos vorbeisaust. Wilde Unfälle sind dabei nicht weiter tragisch, da es keine Schäden gibt und auch die Fahrgäste überhaupt kein Problem haben, wenn man mit hundert Sachen frontal in einen Truck rast. Es kostet lediglich wertvolle Sekunden. Der Wagen lässt sich zudem mit speziellen Manövern, die zumeist ein kurzes Schalten in den Rückwärtsgang beinhalten, schneller beschleunigen oder um enge Kurven werfen.

In bester Daytona USA-Tradition kennt die Steuerung nur entweder oder: Entweder der Wagen driftet wie verrückt oder eben gar nicht und hat den Wendekreit eines Schlachtschiffes. Leider verhalten sich die Taxis etwas unberechenbar – gerade beim Driften oder bei Kollision beginnt das Gefährt schonmal seltsam zu hüpfen.

Die Taxi-Gaudi findet in zwei frei befahrbaren Stadtgebieten statt, die mit ihren Steigungen oft an San Fransisco erinnern. Während das erste Gebiet aus dem Spielautomaten stammt und im groben ringförmig aufgebaut ist, bildet das zweite eher ein vernetztes, flächiges Gebiet. Leider funktioniert hier der Pfeil, der einem die Richtung zum Fahrziel anzeigt, nicht immer ganz perfekt und man biegt schonmal falsch ab, was frustrieren kann, weil so ein Fehler schon das Game Over bedeuten kann. Neulinge sind mit der Arcade-Strecke also erstmal besser bedient.

Neben dem Gäste-Transport gibt es auch noch die Crazy Box, eine Sammlung kleiner Minispiele, in der unter anderem Bowlingkegel umgefahren werden müssen oder man von einer Schanze einen möglichst weiten Sprung zu schaffen versucht. Was hingegen leider seit ehedem vermisst wird, ist ein Multiplayer-Modus. Nichtmal einen Splitscreen gibt es. Schade!

Zwei weitere Besonderheiten des Spiels fielen bei der Umsetzung auf Xbox 360 und Playstation 3 der Lizenz-Schere zu Opfer. Zum einen wurde die ganze Ingame-Werbung in Form von Pizza Hut-, Levis- oder Fila-Shops durch Fantasie-Geschäfte ersetzt, zum anderen der markante (wenn auch für manche Spieler nervige) Soundtrack von The Offspring und Bad Religion durch Musik von weniger bekannten Bands ersetzt, die aber auch gut passt. Das wirkt für Kenner des Originals zunächst fremd, fällt aber in der Hektik gar nicht so sehr auf. Außerdem lässt das Spiel auf der Xbox360 auch Musik von der Konsolen-Festplatte zu, womit man auch wieder seine Offspring-Songs ins Spiel laden könnte.

Optisch fällt sofort der vollwertige 16:9-Modus auf. Schade, dass Sega das bei Sonic Adventure nicht auch gebacken bekommen hat! Dafür scheint die Auflösung niedrig geblieben zu sein. An den Treppenstufeneffekten (Aliasing) ist man fast versucht, die einzelnen Stufen zu zählen. Allerdings bleibt das Grafik immer flüssig und verfällt nicht in Slowdowns, wie es bei der Dreamcast-Version an einigen Stellen vorkam. Sonst hat sich nichts geändert, weswegen die damals tolle Grafik („Wow, die Wagen werfen auf sich selbst Schatten!“) ziemlich in die Jahre gekommen ist.


Hier die beiden Versionen im Vergleich – links das Dreamcast-Original, rechts die HD-Fassung ohne die bekannten Markennamen

Hinzugefügt wurde dafür zudem natürlich eine Online-Highscore-Liste (auch für alle Crazy Box-Missionen) und Achievements. Diese sind leider, zumindest bei der von uns getestet Xbox 360-Version, etwas lieblos und für geschickte Fahrer bereits nach ca. drei, vier Stunden komplett gesammelt. Die Mehrzahl der Achievements gibt’s dabei für das Erreichen verschiedener Rankings im Arcade-Modus. Sinnloserweise schaltet ein hohes Ranking nicht auch gleich die niedrigeren Achievements frei. Schafft man also zum Beispiel auf Anhieb ein A-Ranking, bekommt man nur hierfür das Achievement und muss danach absichtlich schlechter spielen, um auch die Achievements für B- und C-Rankings zu bekommen. Aber wie gesagt: Insgesamt hat man die 200 Gamerscore-Punkte ziemlich schnell.

Danach motiviert einzig die Highscore-Jagd. Aber dafür scheinen Xbox 360 und PS3 die optimalen Konsolen zu sein. Nicht nur, weil man sich dank der Ranglisten endlich mit Fahrern rund um die Welt vergleichen kann sondern auch, weil man hier das Spiel mal eben schnell für 15 Minuten durchgedrehte Raserei von der Festplatte starten kann und nicht erstmal irgendwo nach der CD suchen muss.

Dadurch und durch den 16:9-Modus ist das Spiel auch Fans empfohlen, die das Spiel bereits seit 10 Jahren für andere Konsolen im Regal stehen haben. Neulinge müssen sich bewusst machen, dass Crazy Taxi eben ein Highscore-Spiel ist. Wer sich nicht für die Jagd nach Punkten interessiert, sollte um das Spiel also eher einen Bogen machen, da man schnell alles gesehen hat. Wer nach einem Spiel für Zwischendurch sucht oder Punktejäger ist, wird mit Crazy Taxi aber gut bedient. Nicht nur, weil das Spielkonzept auch heute noch frisch und über alle Maßen kurzweilig ist.

Bilder, Video Copyright Sega


Nils Goette


Kommentare

Ich finde es ja immer ganz nett, wenn solche Klassiker umgesetzt werden, doch ist mir das Original lieber. Meiner Meinung nach ist die Dreamcastgrafik, wenn Sie einfach nur höher aufgelöst wird, bei weiten nicht so gut, wie auf der Konsole selbst. Außerdem ist es schade, dass bei den Werbebannern Sachen entfernt wurden. Also, kauft euch lieber für wenig Geld eine Dreamcast und Crazy Taxi so und wenn ihr schon dabei seit noch Sonic Adventure 1+2, Headhunter, Grandia 2, Skies of Arcadia, Shenmue 1+2, Rayman 2, Power Stone 1+2 usw.

truegamer.de · 22. November 2010, 13:18 · #


Also als ich für den Test auch nochmal die Dreamcast-Version angeschmissen habe, hat mich nicht nur die verwaschene (gut, hab auch nur Cinch dran zurzeit) 4:3-Grafik etwas gestört, sondern vor allem auch das Joypad, bei dem man ja gerade bei Rennspielen immer Angst haben muss, die Analogtrigger zur zerstören. Online-Ranglisten, direktes Starten von der Festplatte und sich nicht drum kümmern brauchen, auf welcher VMU nun der Crazy Taxi-Speicherstand drauf ist, sprechen auch für die neuen Versionen.

Den Leuten, die das Original nicht kennen, dürfte auch der andere Soundtrack nicht stören. Da bleiben dann in meinen Augen nur noch die Original KFC-, Fila-, etc-Stores als Pro-Dreamcast-Argumente.

Alleine schon für Shenmue lohnt sich ein Dreamcast natürlich trotzdem ;)

— Nils Goette · 22. November 2010, 13:27 · #


Hm, irgendwelche Infos zur angekündigten Dreamcast Collection? Ist schon bekannt, was drauf ist? Nicht, dass ich mir jetzt die Spiele einzeln hole und nachher gibts das alles im Paket… ;)

— MoeCristy · 24. November 2010, 03:37 · #


 
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