Bloodforge
Bloodforge

Plattform: XBLA
UK (2012), Lead Producer: Murray Andrews, Lead Artist: Mike Oakley, Audio Director: Chris Jolley

Wer auf eine sagen wir mal recht dynamische Schulzeit zurückblicken kann, der weiß, dass Mitschüler im Winter nicht unbedingt begeistert von dem Phänomen des gelben Schnees waren. Manchmal wurde der Schnee auch rot; oft auch als Folge des zwanghaften Konsums vom gelben Schnee. In dem neuen Arcade-Titel von Climax ist Held Crom (spätestens da wird der Barbaren-Kenner hellhörig!) auch einer dieser Halunken, der dem Schnee eine andere Farbgebung beschert. Warum er das tut? Weil er verdammt viel Wut im polygonalen Barbarenbäuchlein hat.

Die Story von Bloodforge ist einer der Gründe, warum Crom so dermaßen sauer ist. Als Barbar ist er ja von Natur aus eine üble Sau aber aufgrund bestimmter Vorkommnisse schwellen dem Krieger zu Recht die Adern. Da wäre zum einen die Tatsache, dass er gefoppt wurde und aufgrund einer Täuschung seiner Frau eineinhalb Meter Stahl durch den Leib getrieben hat. Kratos, Asura,… viele grimmige Videospiel-Ehemänner zogen schon auf, ihre dahingeschlachteten Hausfrauen zu Rächen und ihre Feinde in einem Meer aus Blut ersaufen zu lassen. Crom will da natürlich in nichts nachstehen und auch feste rächen.

Doch die unzähligen Feinde, die Schwert, Hammer und Axt-schwingend ohne Unterlass auf Crom einprasseln, sind nichts gegen den größten und grausamsten Feind, mit dem der Held respektive der Spieler sich herumschlagen muss: Die Kamera! Wer auch immer bei Climax für diese hektische und vor allem in Kämpfen chaotische Kameraführung verantwortlich ist, sollte schleunigst über einen anderen Beruf nachdenken. Ich will hier nichts schönreden. Das Spiel ist im Grunde ein simples Hack´n Slay und wer auf das Genre, Dark Fantasy und keltisch angehauchter Mythologie steht, der hatte den Titel sowieso schon nach dem ersten Trailer auf der Wunschliste.

Leider leidet dieses durch seinen visuellen Stil (Sin City trifft auf Conan) eigentlich ansprechende Spiel durchweg durch die – man verzeihe mir die Ausdrucksweise – mehr als beschissene Kamera. Teilweise grenzt es an Unspielbarkeit, wenn Crom von 5 Feinden umzingelt ist und der virtuelle Kameramann sich entweder nicht entscheiden kann, wen er fokussieren soll oder einfach mal wieder an der Hintergrundgrafik hängen bleibt. Wer sich trotzdem durch das Spiel schlägt, der bekommt einen düsteren und ultrabrutalen Golden Axe-Verschnitt serviert. Neben unterschiedlichen Waffen mit verschiedenen Combos darf sich der hoffentlich frustresistente Spieler auf schwere Bossfights und einer ansprechenden Präsentation erfreuen.

Somit ist es für mich nicht leicht, diesen Titel zu bewerten. Auf der einen Seite mag ich die harte Gangart und das Setting des Titels. Andererseits ertappe ich mich beim Spielen andauernd, wie ich mir wild fluchend den Programmierer der Kamera vorstelle, wie er gezwungen wird, gelben Schnee zu essen. Leute, entscheidet selber. 1200 Microsoft Points ist der Titel in seiner jetzigen Form einfach nicht wert. Somit ist Bloodforge nur knallharten Gorehounds und Spielern mit stählernen Nerven zu empfehlen.

Bloodforge erscheint aufgrund seiner drastischen Gewaltdarstellung nicht in Deutschland; wer aber gewisse Umwege in Kauf nimmt, erhält deutsche Bildschirmtexte samt Untertitel.

Bilder, Video Copyright Climax


Mark Wamsler


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